Schleppfischen auf Hecht

  • Schleppfischen auf Hecht




    Das Schleppfischen ist eine der ältesten Angeltechniken. Für den Angler bedeutet das Schleppfischen, dass er ein Boot verwendet. Einsteiger so wie der erfahrene Angler kommen mit ihr zu Recht. Diese Technik erlaubt dem Angler grosse Wasserflächen abzusuchen. Die Herausforderung liegt nicht nur darin ein guter Fischer zu sein, sondern Gewässer Kenntnisse, sowie das verhalten der Hechte sind ein Faktor zum Erfolg. Die Schleppfischerei auf Hecht kann das ganze Jahr über betrieben werden.


    Ausser die Fischerei-Gesetze schreiben etwas anderes vor (Schonzeit).


    In Spanien, genauer gesagt im Norden Spaniens wurden Höhlenmalereien entdeckt, die ca 15`000-20`000 Jahre alt sind. Daraus ergeht, dass die damaligen Bewohner schon vom Schleppfischen angetan waren. Aus Berichten der Kolonialzeiten geht hervor, dass die Indianer mit ihren Kanus erfolgreich auf Musky schleppten. So war es nur eine Frage der Zeit, bis etwa im siebzehnten Jahrhundert die Schleppfischerei ihren grossen Einzug und ihren festen Platz in unserer Geschichte des Fischens fand.


    Die Hechte (Fische im Allgemeinen) sind Kaltblüter, sie passen ihre Körperfunktionen der Wassertemperatur an. Sie fressen weniger wenn es kalt wird und sind demzufolge weniger aktiv. Der Hecht ist am aktivsten innerhalb einer bestimmten Temperatur, in dieser Zeit wächst er auch am schnellsten. Die Aufenthaltsräume der Hechte sind von Gewässer zu Gewässer verschieden. Die Tiefe, die Strömung, die Temperaturen sowie das Nahrungsangebot spielen eine grosse Rolle. Für den Angler ist es wichtig, über Untiefen, Sandbänke oder sonstigen Hindernissen wie versunkene Bäume im Gewässer bescheid zu wissen.


    Der Fischer und seie Ausrüstung, zusammen mit den Faktoren wo stehen die Hechte, sowie deren verhalten, bestimmen das Vorgehen des Schleppfischers. Zwischen tiefen oder seichten Gewässern gibt es verschiedene Praktiken. Die Entscheidung wo und wie geschleppt wird, liegt alleine beim Angler. Für den profilierten Fischer gilt die Schleppfischerei mehr als nur seine Köder hinter dem Boot herzuschleppen. Je nach Taktik sucht er in unterschiedlichen Tiefen nach den Fischen, oder er fährt die Hot–Spots systematisch ab. Aufmerksame Fischer richten sich auch nach der Natur, raubende Vögel und Wassertemperaturunterschiede sind ein Hinweis.


    Der Fischer sollte immer wissen wie sich die von ihm benützten Köder im Wasser verhalten und welche Bewegungen sie machen wenn er den Kurs seines Bootes verändert.Die Schleppgeschwindigkeit hängt von den jeweiligen Ködern ab, die man gerade ausgelegt hat. Die Geschwindigkeit und der Köder müssen zusammen passen. Sie sind ein entscheidender Faktor zum Erfolg. An der Oberfläche herrschen andere Bedingungen als nur wenige Meter darunter. An Hand der Bugwellen und der Winkel der Schleppschnüren kann man so eine Veränderung feststellen. Wer solches beachtet und die Geschwindigkeit anpasst, ist dem Erfolg ein Stück näher.


    Es ist sehr wichtig, dass der Schleppfischer das Schwimmverhalten seiner Köder, bei verschiedener Geschwindigkeit genau kennt. Beim Schleppfischen braucht es eine Ausrüstung die zusammenpasst. Ob leichtes oder schweres Takle, an dieser Tatsache ändert sich nichts. Dank modernster Technik gibt es heute Materialien, die das leichte, sowie das schwere Schleppen kombinieren lassen. Ruten, Rollen und Schnüre in einem Mittelwert gewählt, decken sowohl das eine wie das andere ab.


    Zum Schleppfischen eignen sich viele Köder. Sie können von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich sein. Der Erfahrene Fischer kennt seine Favoriten, der Einsteiger wird sie schnell herausfinden.


    Der Angriff eines Hechts, wird nicht nur wegen der Ähnlichkeit eines Köders mit einem Beutetier ausgelöst. Auch muss nicht Hunger zwingend der Grund sein. Der Angriff kann aus Neugier oder Revierverteidigungsverhalten ausgelöst werden. Ob Köfi, Gufi, Wobbler, Löffel, Spinner oder Fliege, innerhalb jeder Ködergruppe variieren die verschiedenen Köder.


    Der Fishfinder ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel. Zum einen geben sie uns eine genaue Tiefenangabe, zum andern lassen sie uns erkennen, was sich zwischen der Oberfläche und dem Gewässergrund abspielt. Wo ein Fishfinder nicht erlaubt ist, hilft ein Kompass. Der Kompass gehört eigentlich immer zur Ausrüstung eines Schleppfischers, zieht einmal dicker Nebel auf und es kommt zu einer Notsituation, kann der Kompass Leben retten.



    Der Hecht nimmt den Köder meist gierig. Die vorwärts Fahrt des Bootes reicht beim schleppen aus, um dem Hecht die Haken ins Maul zu treiben. Ein zusätzliches Anschlagen muss nicht sein. Aber sicher ist sicher, wenn ich die Rute in die Hand nehme, setze ich auf jeden Fall noch einen zusätzlichen Anhieb. Der Hecht macht nach dem Anhieb erst mal eine Flucht. Das ist die längste Flucht während des Drills. Diese Flucht kann sich in der Tiefe abspielen, oder an der Wasseroberfläche. An der Wasseroberfläche kommt es dann auch meist zu einem Sprung, dem Hechtsprung.


    Ich lasse den Hecht sich erstmal austoben und pariere die Flucht mit sanftem Druck. Ist diese erste Fluch zu Ende, übernehme ich nun das Kommando und halte den Hecht ständig unter kontrollierter Bewegung. Der Hecht darf nicht mehr zu Ruhe kommen. Mit harter aber dosierter Bremseinstellung pumpe ich den Hecht an die Wasseroberfläche, gibt er dann auf und legt sich auf die Seite, ist er bereit für die Landung. Um einen grossen Hecht zu ermüden, ist es wichtig, dass er immer gegen den Rutendruck ankämpfen muss, dadurch ermüdet er von selber. Es brauch Geduld und Nerven einen grossen Hecht auszudrillen.


    Der Drill sollte bis zur letzten Minute stehend erfolgen, damit es dem Fischer jeder Zeit möglich ist, die gesamte Rute ins Wasser zu tauchen, wenn der Hecht unter dem Boot durchschwimmt. Muss das Boot aus irgendeinem Grund in Fahrt bleiben, ist darauf zu achten, dass die Schnur nicht mit der Schraube in Berührung kommt. In diesem Fall sollte die Fahrt im Kreise führen, dass ermüdet den Hecht am schnellsten und man drillt so auch am erfolgreichsten. In dieser Situation halte ich den Fisch wenn immer möglich auf Sichtweite, bis er Müdigkeitserscheinungen zu erkennen gibt. Wenn er immer kleinere Kreise zieht und seine Flanken zeigt, ist er langsam erschöpft. Aber nicht immer am Ende! Er verbraucht oft seine letzte Kraft mit einer Flucht vor dem Kescher. Ist der richtige Moment gekommen, keschere ich den Hecht schnell und überlegt. Ich ziehe ihn über den Kescher und hebe diesen, von hinten nach vorne, über den Hecht in die Höhe.


    Der Hecht lässt sich am besten nach der Laichzeit fangen, wenn er sich im seichten Gewässer aufhält und zu allem sehr beissfreudig ist. Die Hechte nehmen cirka einen Drittel ihrer Jahresnahrung in dieser Jahreszeit zu sich. In der Regel verlassen die grössten Hechte die Laichplätze als letzte, deshalb lassen sich in den kälteren Jahren grosse Hechte bis Ende Juni in Ufernähe fangen. Kleinere Hechte gehen mehr auf die Jagt. Wenn ein kapitaler Hecht sich mal den Bauch vollgeschlagen hat, kann es eine Woche dauern ehe er wieder auf die Jagt geht. Wenn er genug Beute gemacht hat, beschäftigt er sich mit dem Verdauen, ehe er wieder seinen Instinkten folgt. Der Mageninhalt eines Kapitalen zeugt immer wieder von wahren Fressorgien, Felchen, Egli, Weissfische und kleinere Artgenossen gehören ebenso zu seiner Beute wie junge Enten, Ratten, Mäuse und Frösche.


    Das Schleppfischen auf Hecht ist die effizienteste Methode um Seen und kleinere Gewässer zu beangeln. Man kann gleichzeitig grosse Tiefen und weite Flächen abfischen. Das faszinierende am Schleppfischen ist die Möglichkeit und Hoffnung grosse und kapitale Hechte zu fangen


    Grundwissen der Limnologie für erfolgreiches Schleppangeln


    Unter Limnologie (von griech.: limne, limnion = See, Teich) versteht man in der heutigen Naturwissenschaft die Lehre von dem durch die spezifischen Eigenschaften des Wassers und die Jahreszeiten bedingten Schichtenaufbau stehender Gewässer.


    Das Meiste von dem nachfolgend Beschriebenen haben wir ja sowieso alle mal für die Fischerprüfung gelernt. Darum soll das hier sicher auch keine Doktorarbeit werden, sondern lediglich eine Zusammenstellung einiger limnologischer Grundsätze, die dazu helfen können, die Standplätze der Zielfische - in diesem Fall des Hechts - schneller ausfindig zu machen und sie in der richtigen Tiefe gezielt und erfolgreich zu befischen. Es geht also gewissermaßen um eine Nutzanwendung vieler Sachverhalte, die die Meisten von uns schon kennen, auf das Schleppangeln auf Hecht.


    Je nach dem jahreszeitlich und temperaturbedingten Aufbau des Gewässerkörpers eines größeren Sees können die Hechte an ganz unterschiedlichen Stellen und in ganz unterschiedlichen Tiefen stehen.


    Beginnen wir zunächst mit der Situation, die wir nun bald wieder vorfinden werden, wenn die Lufttemperatur herbstliche Werte erreicht und nachts schon mal in Minusbereiche sinkt. Dann ist bald die Zeit der Herbstvollzirkulation gekommen. Im gesamten Bereich des Wasserkörpers beträgt die Wassertemperatur dann ca. 4°C, bei der auf Grund der Dichteanomalie des Wassers dasselbe sein höchstes spezifisches Gewicht erreicht. Nun kann der teilweise heftig wehende Herbstwind den gesamten Wasserkörper umwälzen. Sauerstoffreiches Oberflächenwasser wird bis in die Tiefenzone gewirbelt. Sauerstoffarmes Tiefenwasser wird nach oben gedrückt und kann sich mit Sauerstoff anreichern. Für das Gewässer ein lebensnotwendiger Selbstreinigungsvorgang, der nur im frühen Frühjahr und im Spätherbst erfolgen kann:



    Durch die Vollzirkulation wird bald im Bereich des des gesamten Wasserkörpers eine gleichmäßige Sauerstoffsättigung vorliegen. Für die Hechte und ihre Beutefische besteht nun kein Anlass mehr, sich oberflächennah in sauerstoffreicheren Zonen aufzuhalten. Gerade am windzugewandten Ufer wird den Beutefischen durch die mächtige Abwärtsdrift der Umwälzung nun Anflugnahrung in die Tiefe gespült. Und die Hechte halten sich darunter, fast schon in Grundnähe auf.


    Im Herbst wird darum der Schleppangler auf der windzugewandten Seite am Rande der Freiwasserzone sein Glück mit tieflaufenden Schleppködern suchen. Neben tieflaufenden Wobblern können andere Schleppköder wie Spinner, Shads am Auftriebsjig oder toter Köderfisch am Auftriebssystem Erfolg bringen, sofern sie mittels eines Walkerbleis oder bottom-bouncers auf Tiefe gebracht werden. Große Freiwasserhechte und Renkenhechte wird man jetzt ebenfalls mit tiefgeführten Schleppködern überlisten können, nur noch etwas weiter draußen in der Freiwasserzone.


    Im zeitigen Frühjahr kann es dagegen auch erfolgreich sein, auf der windabgewandten Seeseite am Rand der Freiwasserzone zu schleppen.


    Jetzt steigen die Nymphen und Emerger unzähliger Wasserinsekten allmählich an die Oberfläche und lassen sich dabei von der Aufwärtsdrift der Wasserumwälzung nach oben treiben. Kleinfische werden ihnen dabei nachstellen. Und diesen wird der Hecht auf den Fersen bzw. Schwanzflossen bleiben. Nun muss auch nicht mehr unbedingt in maximaler Tiefe geschleppt werden. Tieflaufende Wobbler, toter Köderfisch am Stockersystem, andere Spinnköder mit zusätzlicher Bleibeschwerung bringen auch in mttleren Tiefen gute Hechte - sofern die Zeit der Frühjahrszirkulation nicht bereits in die Hechtschonzeit fällt (was sie ja meistens tut).


    Ab Mitte April /Anfang Mai beginnt die Sonneneinstrahlung das Gewässer an der Oberfläche zu erwärmen. Langsam baut sich im Gewässer eine temperaturbedingte Schichtung auf. Das durch die höhere Temperatur wesentlich leichtere Oberflächenwasser wird vom Wind nur bis in eine bestimmte Tiefe verwirbelt. Darunter baut sich die Sprungschicht auf, in der sich auf nur wenige Meter Tiefendifferenz das Wasser sehr stark abkühlt. In der Tiefenschicht wird die Temperatur das ganze Jahr über bei Werten um 4°C liegen.



    Sobald die Temperatur der Oberflächenschicht des Gewässers 15°C oder mehr erreicht hat, sind die Hechte zum Laichgeschäft in die Uferzone gezogen. Dort haben sie sich über Unterwasserpflanzen (Krautbänken) geeignete Laichplätze gesucht, an denen sie sich auch nach der Laichablage noch eine Weile aufhalten werden, da auch andere Frühjahrslaicher wie Barsch oder einzelne Weißfischarten diese Zonen aufsuchen und den Hechten unfreiwillig dazu verhelfen, ihre durch das eigene Laichgeschäft ausgemergelten Körper mit reichlich Nahrung zu stärken.


    Der Schleppangler wird nun möglichst ufernah fischen, gelegentlich mit seinem Boot vor Anker gehen und die Flachwasserzonen mit der Spinnrute beharken. Für Schleppen und Spinnfischen sind nun flachlaufende Köder angesagt. Oberflächenjerkbaits, Popper, Spinner, Blinker und flachlaufende Wobbler fangen nun ihre Hechte. Auch buschige Hechtstreamer, mit der #7-9 Fliegenrute angeboten, haben nun ihre beste Zeit. Erfahrungsgemäß werden nächst dem Frühherbst gerade im Frühjahr nach der Laichzeit die meisten Hechte gefangen.


    Im Sommer nehmen die Erfolgschancen schon wieder etwas ab. Nicht nur die jetzt zahlreich vorhandene Weißfischbrut füllt den Räubern mühelos die Wänste. Auch deren Fresslust nimmt an besonders heißen Tagen deutlich ab. Zudem erreicht die Temperatur des Oberflächenwassers nun kritische Werte, bei denen nicht mehr soviel Sauerstoff gebunden werden kann, wie die Hechte für ihre Raubzüge benötigen. Allenfalls abends, wenn es kühler wird, oder in den frühen Morgenstunden sieht man sie an der Wasseroberfläche rauben. Den Tag verbringen sie in größerer Tiefe, wo es noch genug Sauerstoff zum Atmen gibt.



    Nun wird es für den Schleppangler schwierig, seine Schleppköder auf die richtige Tiefe einzustellen. Es kommt alles darauf an, dass es ihm gelingt, herauszufinden, in welcher Tiefe sich die Sprungschicht befindet, in der die Wassertemperatur rapide von 15°C auf 6°C absinkt. An Scharkanten, Unterwasserhindernissen, Totholz werden sich v.a. die großen Hechte am oberend Rand der Sprungschicht aufhalten, wo sie einerseits genug Sauerstoff zum Atmen, aber andererseits kurze Wege zur Beute haben.


    Die Sprungschicht lässt sich durch Absenken eines Thermometers an einem mit Metermarken versehenen Lotseil oder - noch einfacher - mittels eines Echolotes mit Temperaturmessung ermitteln. Für die richtige Angeltiefe ist ferner die Überlegung wichtig, wie sichtig oder angetrübt das Wasser ist. Denn danach bestimmt sich die Tiefe der Lichtgrenze, die gerade im Sommer die nahrungsaufbauende (trophogene) Zone von der nahrungszersetzenden (tropholytischen) Zone scheidet, in der unter hoher Sauerstoffzehrung organische Stoffe in anorganische zersetzt werden. Unterhalb der Lichtgrenze wird sich im Sommer nicht ein einziger Fisch aufhalten.


    Der beste Schleppköder ist im Sommer ein Wobbler, dessen Lauftiefe der oberen Grenze der Sprungschicht entspricht. Oder man stellt gleich die optimale Schlepptiefe durch einen Downrigger (sofern erlaubt) ein und kann dann jeden Spinnköder oder toten KöFi am auftreibenden System auf der richtigen Tiefe führen.


    Ihr seht - man muss zwar kein Limnologe sein, um erfolgreich auf Hecht schleppen zu können. Doch ein bisschen limnologisches Grundwissen macht jeden Schleppangler erfolgreicher. In diesem Sinne: Petri Heil und fette Hechte!



    geschrieben von: Reverend (Gerhard) und Felchenfischer (Rolf)
    Besten Dank an Gerhard und Rolf das wir den Bericht auch hier zur Verfügung haben :thumbup:

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