Kraller A42 Neuaufbau

      Kraller A42 Neuaufbau

      Hallo liebe Anglerkollegen,

      in naher Zukunft würde ich gerne einen Neuaufbau meines Krallers A42 vornehmen. Habe schon einiges in Foren gelesen, sehe allerdings langsam vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr...
      Das Boot ist momentan in einem äußerst dürftigen Zustand (Farbabplatzer im Innenraum (einige Bereiche sogar bis auf das GFK sichtbar); Bordwand an einigen wenigen Stellen mit kleinen Rissen duchsetzt (lässt sich teils eindrücken und gibt dabei knackende Geräusche von sich); leidende Optik, da der Vorbesitzer schon einige Bereiche (Bug, Kiel) auflaminiert hat, dem entsprechenden Bild des Bootes allerdings nicht angepasst hat; außen wurde Lack auf Lack gestrichen, der mittlerweile auch an einigen Stellen abplatzt).

      Meine bisherige Herangehensweise hatte ich wie folgt geplant:

      1. Abschleifen der verschiedenen Schichten bis runter aufs GFK
      2. Laminierung des kompletten Innen- und Außenbereichs mittels Epoxidharz und Glasfasermatten (nass-in-nass) (Welche Stärke der Matten kann hier empfohlen werden? Wieviele Lagen sollte laminiert werden, um wieder ausreichend Stabilität zu bekommen?)
      3. Grundierung (reicht eine 1K-Grundierung oder was sollte direkt auf der Laminierung angewandt werden?)
      4. Lackierung (Antifouling hatte ich nicht vorgesehen, da das Boot ausschließlich geslippt wird)
      5. Innenausbau

      Die größten offenen Fragen stellen sich mir noch bei Punkt 2 und 3.

      Ich hoffe, dass ich überhaupt alles richtig überdacht habe und wäre über einige Tipps und entsprechende Korrigierung bzw. Erweiterung meines Plans sehr dankbar.

      Viele Grüße,
      Nordlicht
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      Hallo Nordlicht,

      da hast du dir aber ein Projekt an Land gezogen. :)
      Habe mittlerweile 5 teilweise Vollsanierungen von Booten unter anderem auch Kraller hinter mir und einige Erfahrungen sammeln können.
      Anfangen würde ich damit alle losen Lackschichten und schlechten Reparaturen mit einer Metallspachtel und Stemmeisen abzukratzen.
      Dann würde ich dir empfehlen statt händischen Schleifen Sandstrahlen des Bootes in Betracht zu ziehen. Das Schleifen ist wirklich eine verdammt ekelhafte Angelegenheit und produziert wirklich Unmengen an ungesunden Staub. Habe die Erfahrung auch leidvoll machen müssen.
      Beim Sandstrahlen erhältst du eine Oberfläche die für weitere Arbeitsschritte perfekt geeignet ist (optimale Haftung der nachfolgenden Schichten)
      Ich würde dir zum Laminieren Glasfaser Gelege empfehlen. Ich habe für das Sandstrahlen meines Krallers A54 so weit ich weiß ca. 300 Euro gezahlt.
      bootsservice-behnke.de/contents/de/d33.html
      Lässt sich im Vergleich zu Gewebe deutlich angenehmer Verarbeiten, einziges Manko ist der Faden mit dem das Gewebe vernäht ist, welchen man nach dem Laminieren verschleifen muss, wenn es sich um Sichtflächen handelt. Auch wenn sich das Gelege ziemlich gut drapieren lässt, würde ich bei räumlich gewölbten Flächen darauf achten nicht zu breite Streifen auf einmal zu verlegen, da das Gelege irgendwann doch dazu neigt sich aufzuwölben.
      Beim Lack hab ich immer PU-2K Lack verwendet zuletzt den von Behnke. Auf der oben verlinkten Seite gibt es Aufbauempfehlungen für Anstriche auf GFK.

      VG
      Matthias
      Hallo Nordlicht.
      Als erstes mal bitte den link öffnen.
      anglerforum-bayern.de/index.ph…tellung-neuer-Mitglieder/

      Dann würde ich Dir empfehlen , schmeiss die Hülle weg und kauf Dir ein neues.
      Ich habe jahrelang mit meinen Fischerkameraden solche Renovierungsarbeiten gemacht.
      Das ganze steht in keinem Verhältniss. Wir haben nach und nach neue GFK Boote aus Polen (Top Qualität zu günstigsten Preisen).
      oder gleich Aluboote gekauft. Ich lach nur noch wenn ich einen alleine schon schleifen sehe, alleine bis der ganze Mist komplett
      runtergeschliffen ist dauert es Stunden/Tage. Mit einen bischen anschleifen ist das nicht getan.
      Solltest Du dennoch jetzt noch Bock zum herrichten haben, spare Dir Punkt 3 und 4 und lasse dir das Epoxidharz nach deinem Farbwunsch
      gleich einfärben. Dann brauchst Du in Zukunft auch nichts mehr runterschleifen sondern kannst es gleich mit dem eingfärbten Harz streichen.
      Mfg Bressen
      Auch wenn ein Mensch zwanzig Sprachen beherrscht, benutzt er doch seine Muttersprache, wenn er sich in den Finger schneidet.
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      Servus,
      ich würde mir gut überlegen, auf den
      Rat von Bressen zu hören. Hab jetzt die zweite
      Bootsrestaurierung hinter mir und helfe manchmal beim Bootsreparieren
      im Verein mit, daher existiert ein bisschen Einblick in die
      Materie. Was du dir da vorgenommen hast, ist ein Haufen Arbeit. Wenn
      es die finanziellen Ressourcen hergeben, kauf dir was Neues/gutes
      Gebrauchtes. Ansonsten rechne mal mit 200+ Arbeitsstunden, außer du
      bist ein Profi oder handwerklich Hochbegabt.
      Das mit dem
      Sandstrahlen klingt nach nem guten Rat, weil das Abschleifen selbst
      mit einem guten Exztenterschleifer ( Rotex) eine Qual ist. Lack und
      alte Flicken müßen komplett runter. Nur vom blanken originalen GFK
      lässt sich was Haltbares aufbauen. Gutes Material gibts auch
      unter:fiberglas-discount.de.
      Glasfaser würd ich
      300g/m2-Matten für die Teile des Bootes mit Wölbungen etc.
      benutzen, weil nicht so steif und leichter formbar. 450g/m2 für
      gerade Flächen und Bereiche wo das GFK vom Boot mürbe ist. Anstelle
      von Lack würde ich nach der zweiten Harzschicht Topcoat (je nach
      Gusto eingefärbt) Nass in Nass mit der letzten Harzschicht
      auftragen. Gib nach 1- 2 Lagen eine sehr robuste Oberfläche.
      Das
      ganze ist eine klassische Winterarbeit, such dir einen beheizbaren
      Arbeitsraum ( Harze erst ab 18°C gut zu verarbeiten) und leg los.
      Eine Rute, sie alle zu drillen, in den Kescher zu treiben
      und knusprig zu grillen.
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      Grundsätzlich kann ich Bressen da auch zustimmen.
      Mein großes Kraller war von der Substanz her noch in sehr gutem Zustand allerdings wollte ich den Innenausbau komplett anders gestalten. Allein um das Boot innen komplett blank zu bekommen ist wohl schon ne ganze Arbeitswoche drauf gegangen.
      Im Endeffekt hätte ich mir wohl auch ein komplett rohes Kraller holen können und wäre preislich vermutlich nicht viel teurer gekommen.
      Wenn du dich trotzdem nicht abschrecken lässt wünsch ich dir schon mal viel Spaß und auch Geduld bei dem Projekt.
      Nochmal ein paar Tipps:
      Erstmal musst du dir schon grundsätzlich überlegen ob du mit Polyester oder Epoxi arbeiten willst. Polyester ist billiger, stinkt mehr, ist vom Mischverhältnis nicht so kritisch, nicht so wasserbeständig, dafür UV-beständiger. Außerdem ist die Haftung von Polyester auf alten GFK schlechter als Epoxi und auch die Festigkeit ist etwas schlechter.
      Jetzt kann man sich die Vor- und Nachteile des jeweiligen Systems raussuchen gute Ergebnisse kann man mit beiden erzielen.

      Den Tipp mit dem eingefärbten Epoxy als letzten Anstrich seh ich kritisch. Wie gesagt Epoxy ist nicht so UV beständig und neigt zum Vergilben.
      Topcoat (womit meistens Deckschichtharz auf Polyesterbasis gemeint ist) nass in Nass mit der letzten Schicht auftragen ist von der Haftung sicher top, stell mir aber schwierig vor damit wirklich tolle Ergebnisse zu erzielen.
      Bei mir folgte nach der letzten Laminatschicht meistens erstmal Schleif-, Spachtel- und wieder Schleifarbeiten um eine gleichmäßige Oberfläche zu bekommen. Anschließend hab ich dann mit Polyurethanlack lackiert.

      Bei den Glasmatten würde ich einfach bei einer Stärke bleiben und bei Bedarf einfach aufdoppeln. Das würde ich an besonders beanspruchten Stellen wie dem Kiel und die "Knicke" im Rumpf ohnehin empfehlen.

      Was ich dir sehr empfehlen würde ist nicht irgendwelche vorgefertigten Spachtelmassen zu kaufen sondern einfach alles aus einem Harzsystem selbst zu mischen. Mit dem 300er Epoxidharz von Behnke hab ich dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Das bleibt nach dem aushärten noch relativ flexibel und härtet nicht so spröde aus wie manche anderen Harze. Je nach Bedarf kann man dann mit Mikrospheres (kleine Glashohlkugeln) sehr gut schleifbare Spachtelmassen, oder mit Mikrofiber bzw. Glasfaserschnitzel sehr haltbare Spachtel-/Klebemassen herstellen bzw. das Harz ungefüllt zum Laminieren verwenden.
      Für größere Flächen, die anschließend nicht mehr gespachtelt oder geschliffen werden sollen, bietet sich außerdem die Verwendung von Abreisgewebe an. Dieses wird als letzte Schicht auf das Laminat aufgebracht und vor dem z.B. lackieren abgerissen. Die dabei entstehende Oberfläche ist dann perfekt sauber und angeraut.

      VG
      Matthias