Renaturierung

    Renaturierung

    Nun scheint es bei uns endlich (äh, bald) soweit zu sein, die Wasserrahmenrichtlinie der EU aus dem Jahr 2000 (u.a. Durchgängigkeit der Gewässer) soll wohl umgesetzt werden.
    Am vergangenen Sonntag fand bei uns zum "Tag des Wassers" jedenfalls eine Info-Veranstaltung des verantwortlichen WWA Bad Kissingen zum Projekt Baunach-Renaturierung statt.
    Ich habe mir die Sache allein aus Eigeninteresse angeschaut, zumal die Ankündigung in der Presse "Die Baunach kehrt in ihr altes Bett zurück" Vorstellungen weckte - von denen ich schon ahnte, dass die so nie kommen werden.
    So war's bzw. ist es auch, es sind nur ein paar softe Alibi-Schlängeleien geplant, aber immerhin Wehrumgehungen - damit würde die Baunach für unsere heimischen Wanderfische (Bachforelle, Nase und Co) zumindest wieder durchgängig.
    Nach der Planung mäandert sie danach nicht wieder, aber sie schlängelt immerhin.
    Ich habe mich mit den WWA'lern unterhalten: Wieso nicht ins alte Bett zurück - dort ist sie jahrhundertelang geflossen und das Flussbett auch nach 60 Jahren Trockenlegung immer noch entsprechend verdichtet?
    Die geplanten Swinger-Kurven müssen mit sehr viel Steuergeld befestigt werden, um dem Gewässer erneut unseren Willen aufzuzwingen ... - allein das geht in die Hunderttausende?!
    Scheint billiger zu sein, als den Bauern die paar Wiesen abzukaufen, auf denen das alte Flussbett liegt :pillepalle:

    Ok, ab 2017 soll's Baustelle geben und wenn alles fertig ist und die schweren Geräte abgezogen sind, dann sieht's für die näxten 2-3 Jahre erstmal aus wie Kriegsschauplatz - die Fische werden sich an ihr neues Umfeld vermutlich schneller gewöhnt haben, als die Fischer.

    Ich fände es interessant, wenn hier diesbezügliche Erwartungen und Erfahrungen gebündelt werden - wer's noch nicht hinter sich hat, der hat's vor sich ...
    Bei vielen Leuten beginnt das Gewissen erst dort, wo der eigene Vorteil aufhört. (Haile Selassie)
    Gruß aus den Haßbergen von fischkorb.de
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    Die verdichtung wäre mein Hauptargument für eine Rücklegung eines Baches ins alte Fließbett. Sooo teuer können bei eich die Wiesen ja nicht sein, oder?
    Habt ihr tatsächlich Nasen in der Baunach?
    LG
    Harry
    Sei nicht fieß, filetier und genieß!!!
    Moin Justy!

    Bei uns läuft derzeit ja auch ein mächtiges ReNa-Projekt. Hier wird die "kleine Isar" geplant.
    Soll ein Gewässer mit ca. 6m3/sek. (linksseitig) und 3m3/sek. (rechtsseitig) und einer Länge von ca. 11km werden, um das Stauwerk PLA zu umgehen.
    Von damals 300ha zerstörtem Auwald bekommen wir 20 zurück..... aus anfänglich geforderten 30m3/sek. wurden 6, bzw. 3, (im Mittel).... usw. usw. usw...
    Mittlerweile liegen 500 !!!! Einwände gegen das Projekt vor.

    Umfangreiche Gutachten zu allen möglichen Themen zögern die Sache immer weiter raus.

    Unser Grundproblem liegt darin, das sich das Grundwasser wieder in einem ähnlichen Rahmen bewegen wird, den es vor dem Stau hatte. Nur das eben auf den ehemals nassen Wiesen jetzt Neubaugebiete sind.... und die dann den Keller voll bekommen.
    Dort werden Spundwände bis ins Tertiär getrieben - und das über eine Strecke von Kilometern.
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    bioharry schrieb:

    Habt ihr tatsächlich Nasen in der Baunach?

    Haben wir, Harry - als Nachweis leider fast nur kapitale Exemplare.
    Liest sich aus fischereilicher Sicht seltsam, aus biologischer ist das weniger witzig.
    Hab z.B. vor ein paar Jahren eine frisch verendete Nase mit "paarundfünfzig" Zentimetern gefunden - sah richtig aufgetrieben aus, m.E. Laichverhärtung mangels Aufstiegsmöglichkeit.
    Ich wollte die Schlundknochen (für meine Lehrgänge) und hab den Kadaver von Ameisen "bearbeiten" lassen - buchstäblich eine saubere Arbeit ;)
    Meine Ex-Gattin hatte mich Jahre vorher schon mit einem "Hast du sowas schon mal gesehen" überrascht, als ich völlig platt von der Arbeit kam: Eine 51er Nase auf Kleinstspinner (2gr) gefangen - Wow, da war ich hellwach!
    Das Teil hängt seitdem präpariert an der Wand und diente mir jahrelang zu Ausbildungszwecken als Anschauungsmodell in Sachen "quergespaltenes Maul" - 3D ist besser als 2D.

    @Sxhwarzi - schau in deinen BrieFkasten
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    Gruß aus den Haßbergen von fischkorb.de
    Ähm,ich hab beantworterisch noch was vergessen ... :rolleyes:

    @Harry - Wenn staatliches Interesse bekundet wird, dann können Grundstückswerte quasi über Nacht enorm steigen.

    @ Angelzwerg und Buchi - Ok, wenn ich mir nach euren Kommentaren mein Posting jetzt noch mal durchlese, dann kriege ich auch schmutzige Fantasieen, ich gelobe Besserung in der Wortwahl :pilot:
    Bei vielen Leuten beginnt das Gewissen erst dort, wo der eigene Vorteil aufhört. (Haile Selassie)
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    Jetzt muss ich auch mal was dazu schreiben.
    Bei uns wird zwar nichts direkt renaturiert, dafür ist die Wertach jetzt komplett durchlässig.
    Sprich an allen Kraftwerken, Querbauten wurden Fischpässe, Fischtreppen oder vielmehr Fischaufstiegshilfen gebaut.
    So sollte es sein.
    Das ganze hat auch extreme Nachteile !
    Fisch die nach oben wandern, kommen nicht mehr zurück.
    Kein Fisch geht eine Fischtreppe wieder runter, da diese sofort von dem Ansaugsog der Aufstiegshilfe wegschwimmen.
    An anderen Stellen stappeln sich dafür die Fische. Einzig allein Hochwasser könnten die Fische wieder nach unten befördern.
    Was teilweise nach unten geht ist Fischbrut, die dem Sog hilflos ausgesetzt sind.
    Diese halten sich zu tausenden in den Ruhezonen der Treppen auf. Von Räubern haben sie fast nichts zu befürchen,
    da wir folgendes festgestellt haben. Aufsteigende Fische gehen zu 90% Im Dunklen die Aufstiegshilfen hinauf.
    Desweitern ergaben verschiedene Artenbestimmungsmaßnahmen, die anhand elektrischen Bestandsaufnahme durchgeführt wurden
    folgende Tatsache! Die Fische(Brut - 20cm) bestehen zu weit über 90% aus Weißfischen wie Brachse , Rotauge, Döbeln.
    Dann noch Jungbarsche, Jungzander und Grasshechte ebenfalls nur bis 20cm.
    Größere Fische fast gar nicht, da wie geschrieben der Aufstieg Nachts erfolgt.
    Ebenso fehlen junge Barben und Nasen und die kompletten Salmonieden.
    Durch die vielen Hechte, die hier landen und nach unten verteilt werden entstehn in einer Forollen und Äschenregion , natürlich noch
    andere Probleme.
    Bei Uns in der Fließsstrecke gibt es da auch Probleme obwohl wir weder Schonzeit noch Schonmaß für Hecht haben.
    Bei Ober- und Unterligern gibt es das nicht, die haben sogar in der Forellenregion Schonzeit und Schonmaß.
    An dieser Problematik (Hecht) ist die Fischereifachberatung schon dran. Es ist davon auszugehen, dass sämtliche Stauungen bzw., Stauseen ihren
    Status als See verlieren und dann irgentwie zwischen Forellen und Äschenregion gegliedert werden.
    Das folgendes Bedeutet: Besatzverbot von Hechten ebenso, kein Schonmaß und keine Schonzeit mehr.
    Das Aufschreien diverser Fischereirechtinhaber ist schon groß, da der Hecht für viele der Sogenannte "Brotfisch" ist.
    Bei uns wird seit über 10 Jahren kein Hecht mehr besetzt, da die sich selbst am Leben erhalten. Die Fangstatistik ist seit 60 Jahren bezüglich dem Hecht immer gleich ( + - 15% ). Nur mit dem Unterschied, das man einen Haufen Geld gesparrt hat für Besatzkosten.
    Ob meine Darstellung in den von Just angefangen Thread passt muss jeder für sich entscheiden. Durchgängigkeit bedeutet im gewissen Sinn
    auch eine Renaturierung.
    Auch wenn ein Mensch zwanzig Sprachen beherrscht, benutzt er doch seine Muttersprache, wenn er sich in den Finger schneidet.